- so sagt man doch, wenn sich etwas 25x wiederholt, oder? -
Die Lauftrefffreunde in Marpingen gibt es seit 30 Jahren. Und schon 25 mal wird ein
Freundschaftslauf veranstaltet. Über die Funktionsweise der Freundschaftsläufe ist sehr viel
geschrieben worden. Da wissen sicher alle Bescheid!
Dass aber ein Freundschaftslauf auch mit sehr viel Arbeit verbunden ist, davon wird nicht berichtet.
Man braucht nur mal die Organisatoren der Freundschaftsläufe im Saarland – der Hochburg dieser
Art von Sportveranstaltungen – nachzufragen.
Los geht es schon bei den Terminplanungen. Wer macht wann seinen Freundschaftslauf. Das
Wetter soll bei dieser Veranstaltung auch stimmen, denn davon ist es abhängig, wieviele Leute
kommen! Jeder Verein hat doch gerne die meisten Gäste und Teilnehmer. Da ist sogar ein
Wettbewerb ausgeschrieben! Und die Marpinger sind sehr oft die stärkste Gruppe! Dazu kommt
noch, dass die Strecken in einem guten Zustand sind. Deshalb machen einige Läufer vor dieser
Veranstaltung eine Sonderschicht und mähen die Gräßer und Sträucher entlang des Weges ab, damit
der Weg wieder frei wird! Da gehen auch einige Stunden drauf!
Die LTF Marpingen sind einer der größten Lauftreffvereine im Saarland. Fast 600 Mitglieder!
Da ist es dann auch wichtig, dass möglichst viele zu ihrer Veranstaltung kommen. Leider hat in
diesem Jahr das Wetter nicht mitgespielt. Es war brütend heiß! Deshalb hat der Vorsitzende Fipps
Wagner vor dem Start schon die Losung heraus gegeben: „Trinken, trinken, trinken!“ und dann gab
es kostenlos nur Wasser und isotonische Getränke! Wein und Bier fehlten gänzlich! Den Trinkern
fehlte also das, was sie brauchen!
Die einzelnen Laufgruppen waren von Angelika und Wolfgang Warken, als dafür Verantwortliche,
organisiert worden. In jeder Gruppe waren mindestens zwei zusätzliche Helfer für den
Gruppenlauftreffleiter vorhanden. Lediglich bei den Walkern, einer unterrepräsentierten Gruppe in
Marpingen, reichte dafür ein Helfer. Den anderen Helfern für diese Gruppe war es zu heiß und sie
hatten sich den Wanderern angeschlossen!
Wolfgang hatte noch etwas organisiert. In seiner Eigenschaft als Mitarbeiter beim SR ist er auch
für die Einteilung der Fernsehteams mit veranwortlich. Da hatte er doch einfach einmal ein Team
nach Marpingen zu einem Freundschaftslauf geschickt. Wie das so bei diesen Fernsehleuten ist!
Vom Lauftrefflaufen hatten sie keine Ahnung! Sie kannten bisher nur: Rennen rennen und rennen,
von 100 Meter bis 100 Kilometer. Fipps Wagner opferte sich und erklärte mühsam dem Team des
SR, wie das Laufen bei den Freundschaftsläufen funktioniert. Dafür ging er sogar mit ihnen auf
die Strecke. Und er konnte ihnen immer schon im voraus sagen, wann eine Gruppe mit Läufern
kommt und wer der Lauftreffleiter dieser Gruppe ist. Glück hatte er, dass die erste Gruppe, die von
Angelika war. Angelika hörte er schon von weitem, da war von einer Gruppe weit und breit noch
nichts zu sehen! Die SR-ler waren mehr als überrascht über die Kenntnisse von Fipps über seine
Läufer und die Zeiten.
Einen besonderen Leckerbissen konnte Fipps ihnen dann noch servieren: Einen Ur-Urexweiler hat
Edwin Recktenwald, genannt Hallo, künstlerisch gefertigt und bei der sogenannten Spinne in den
Wald gestellt. Neben den vielen anderen Figuren wie Biber, Eule, Uhu und Eichhörnchen macht
sich der Ur-Urexweiler sehr gut an dieser Stelle.
Und hoffentlich hat Fipps auch daran gedacht, den SR-lern ein Handtuch zu geben. Denn
Jeder erinnert sich noch an Werner Zimmer, als der an einem Lauftreff in Marpingen teilnahm.
Werner Zimmer hatt sich schon vor Beginn des Lauftreffs ein Handtuch um den Hals gewickelt!
Warum er das gemacht hatte, konnte sich niemand erklären? Wahrscheinlich hatte er gemeint,
dass er dann weniger schwitzen würde! Also ist ein Handtuch vonnöten! Und für die drei vom
Fernsehen wäre dieses Handtuch eine schöne Erinnerung an Marpingen. Peter Alles, der Chef eines
Marpinger Bekleidungsdruckunternehmens, das weltweit tätig ist, hatte es sich als besonderen
Gag einfallen lassen und hat in seiner Firma Handtücher bedrucken lassen, speziell für diese
Lauftreffveranstaltung, jedem Teilnehmer an diesem besonderen Freundschaftslauf wurde ein
Handtuch als Erinnerung überreicht. Er hatte Glück und Pech, weil wegen des Wetters die
Teilnehmerzahl nur etwa 200 betrug und weil seine Firma als Sponsor weniger bekannt wurde.
Die Landstraße nach Urexweiler mußte mehrmals gequert werden, um keine Unfälle zu
provozieren, hatten sich zwei zur Zeit Verletzte bereit erklärt, die Strecke an diesen Stellen zu
überwachen. Marlene Licht und der Renndirektior des St. Wendeler Stadtmarathon Heinz Wirth
erklärten sich bereit, darüber zu wachen, dass die Läufer die Straße sicher queren konnten. Es gab
keine Unfälle! Beide hatten den Verkehr fest im Griff!
Wie so ein Lauftreff in der Gruppe abgeht, will ich an der Gruppe der Walker, die von Gerhard
Licht geführt wurde, erklären. Gerhard hatte zunächst Sorgen, weil zwei seiner Helfer wegen des
Wetters abgesagt hatten. Er hatte für seine Gruppe nur noch einen Helfer, ob das reicht! Doch dann
hatte er Glück, denn viele Walker überlegten sich die Sache anders und gingen mit den Wanderern
von Gerdi! Gerhard blieben gerade 6 Personen,die die Walkingstrecke von 6,5 Kilometer unter die
Füße nahmen. Doch schon nach 3 Kilometer mußte der Vizechef der Alsweiler Lauftreffreunde,
Hans Werner Hoffmann, passen. Er hat eine Operation noch nicht ganz überstanden, denn sonst
ist er als Marathonläufer bekannt und wie alle Läufer meinte auch er, wenn ich nicht ganz in Form
sind, für die Walker reicht es immer noch! Aber so täuscht man sich! Hans Werner beendete die
Walkerei und Gerhard gab ihm dann noch einen Begleiter mit, der auch nicht ganz fit war und sonst
9 oder 10 Kilometer läuft, damit er sich nicht im Marpinger Wald verirrt.
Weiter in der Gruppe waren dann noch zwei Damen von den Lauftreffreunden „von der Rußhütte“.
Wenn jemand nicht weiß, wo das ist, die Rußhütte ist ein Vorort von Saarbrücken und geht am
Kreisverkehr beim Beginn der Grühlingstraße ab zunächst bis zum Torhaus und dann „auf die
Rußhütte“! In diesem Verein sind sehr viele Walker. Wahrscheinlich ist es der Verein, mit den
meisten Walkern im Saarland. Fünfmal in der Woche werden dort feste Termine, hauptsächlich
für Walker, angeboten mit erfahrenen Lauftreffleitern! Sehr stark sind bei ihnen auch die Nordic-
Walker vertreten! Aber wesentlich mehr würden am Walking teilnehmen! Die Nordic-Walker
würden dort „Krötenstecher“ genannt und bei „Jamaika“ gäbe es Überlegungen, im Frühjahr und
Herbst, wenn die Kröten wandern, so wie das Rauchen, auch das Nordic-Walking zu verbieten!
Denn die Kröten würden unter Schonung stehen! Und die Kröten müssen vor den Krötenstechern
geschützt werden, meint Jamaika!
Nochmals zurück zu Gerhard uns seiner mittlerweile dezimierten Gruppe. Alle stellen sich einander
vor. Nur mit den Vornamen, wie es bei Sportlern üblich ist! Mary hießt die Eine und Delira
die Andere! Beide sprachen für Saarländer ein sehr gutes Hochdeutsch, deshalb vermutete der
Helfer von Gerhard, dass sie keine Saarländer seien! Bei Mary stimmte das dann auch! Sie meinte
zwar, dass sie schon sehr gut das saarländische Platt beherrschen würde, aber ein Kenner des
Saarländischen merkte sofort, dass da noch etwas anderes mit klang. Mary kommt aus Chicago,
also aus den USA. Das Amerikanische hört man aber erst, wenn man weiß, dass sie aus den USA
kommt. Sie kam durch eine über 10 Jahre währende Brieffreundschaft zu ihrem Ehemann nach
Saarbrücken.
Wieso kann Mary so gut deutsch, das mußte dann auch geklärt werden? Ganz einfach! Ihre Oma
stammt aus Wahlen, auch ein Ort im Saarland! Und wie sich im weiteren Gespräch herausstellt,
sind die Vorfahren ihres Mannes ebenfalls aus dieser Gegend! „Ei, dann senn er jo met ennanner
noch verwandt!“ stellt da der Begleiter von Gerhard fest! „Ja, das stimmt sogar, denn der Vater
meines Mannes hat Ahnenforschung gemacht und die Verwandtschaft festgestellt“ gab da Mary zur
Antwort.
Die Religionzugehörigkeit konnte nicht mehr angesprochen werden, weil es noch so viel anderes zu
bereden gab und die Stunde Walken zu schnell um war. Lediglich Gerhard stellt ganz zum Schluß
fest, „Mett ouch bin ich doch vorris Joor schonn gang, do se mä doch an de Keltegräwer vorbei!“
Was sich dann auch als richtig heraus stellte.
Abschluß eines jeden Freundschaftslaufes ist ein gemütliches Beisammensein aller Teilnehmer.
Nachdem sich alle beim FC Hellas geduscht hatten, wurde die eisgekühlten Getränke von
Fink genossen. Dazu gab es wie überall Kuchen, der von den Vereinsmitgliedern kostenlos
gestellt wird, Kaffee und Würstchen. Wie die Rußhütter meinten, mit der beste Kuchen bei den
Lauftreffveranstaltungen, da würden sie sich immer drauf freuen! Zum Schluß werden dann noch
die teilnehmerstärksten Vereine geehrt. Ganz knapp ging es diesmal aus. Zwischen den ersten
drei Vereinen war jeweils nur 1 Person Unterschied. Gewonnen hat Wustweiler vor Alsweiler!
Die Abschlußveranstaltung wurde umrahmt von drei Musikern der Gruppe Rastlos. Eine
saarlandweit bekannt Musiker- und Gesangsgruppe, die schon für das Saarland beim
Bundespräsidenten in Berlin gesungen hat. Diese Musik veranlaßte Fips dazu, mal etwas anderes
zu tun! Ihm fiel plötzlich ein, dass er vor vielen Jahren ein ganz bekannter Torhüter war, der in der
Saarauswahl, der saarl. Polizeiauswahl in Alsweiler und beim FC Hellas Marpingen im Einsatz
war. „Auf diesem Rasen hann ich noch nett gespillt!“ stellte er plötzlich fest. „Onn jetzt danz ich
emm Door, datt hann ich aach noch nett gemacht!“, nahm seine Helga an der Hand und legte einen
Tanz auf den geheiligten Rasen des Alstalstadion in Marpingen. Weil ihn die Schuhe drückten,
flogen diese ins Tor und barfuß wurde weiter getanzt! Vom Applaus der Zuschauer begleitet!
Sowas gab es noch nie auf diesem heiligen „Kunst“-Rasen!
Leider gibt es zu viele mit Altersbeschwerden bei den Lauffreunden, denn sonst getraute sich
niemand, einen Tanz zu wagen! Sogar Hans Albert, der normalerweise sonst immer beim Tanzen
dabei ist, mußte sich schonen, er leidet unter einem Bandscheibenvorfall, den er sich vor ein paar
Wochen zugezogen hat! Er ist aber wieder auf dem Wege der Besserung, er konnte die Arbeit
von Gerdi übernehmen und hatte im Wald für die Läufer während der Laufveranstaltung einen
Getränkestand eingerichtet!
Fipps lief dann noch zur Hochform auf. Der Beifall der Zuschauer veranlaßte ihn, sein Können auch
als Torhüter unter Beweis zu stellen. Er zeigte, wie sich ein Torhüter im Tor anstellt. Sofort waren
zwei Jugendliche, die, wie ein Zufall, einen Ball dabei hatten, da und schossen Richtung Tor. Fipps
war in Superform und hielt alle Bälle, bis auf einen, den ihm Gerdi, der sich plötzlich als bekannter
Berschweiler Elfmeterschütze entpuppte und ebenfalls an dem Gaudi teilnahm, in den Kasten
setzte. Da hätten die Arme von Fipps gut und gerne einen halben Meter länger sein müssen, um den
Ball zu erreichen.
Pünktlich zum Fußballspiel waren dann aber alle zu Hause und es war wieder mal ein denkwürdiges
Ereignis, das sich in die lange Liste all der anderen einreiht, glücklich zu Ende.
- der Helfer vom Gerhard -