Autor: Joe Kelbel und Stevie Fecher
Vor 250 Millionen Jahren lag Sondershausen am Nil. Na gut, hätte es Sondershausen schon gegeben. Damals war dort ein flaches Meer, und die Welt stand vor dem größten Massenausterben. 95 % der Meeresbewohner und 66 % der Landbewohner machten die Fliege. Es war nur heiß. Das Wasser des Meeres verdunstete, die Konzentration an Salzen erhöhte sich stark und lagerte sich am Meeresboden ab. Die Salzschichten nahmen jedes Jahr im Schnitt 10 cm zu. Etwa 1,5 Kilometer tief reichen die Salzschichten nun bei Sondershausen.
Kalisalz ist eine Mischung verschiedener Salze. Durch Veredelungsverfahren gewinnt man den Mineralstoff Kalium. Justus von Liebig war Deutschlands erster Dopingchemiker: er checkte 1840, daß Kalium bei Pflanzen die Photosynthese intensiviert und die Umwandlung von Zucker in Stärke und den Aufbau von Eiweiß beschleunigt. Also wurde nach Kali gewühlt, man wollte ja große Kartoffeln. Die Jungs von Sondershausen haben unter ihrer Stadt Löcher von insgesamt 220 Kilometer Länge gebuddelt, in mehreren Lagen, 400 bis 1500 Meter tief, alles für dicke Kartoffeln.
Die Grubenglocke schlägt fünfmal. Signal für die Einfahrt ins Bergwerk. Von unten, aus dem bodenlosen Schacht, kommt der warme Atem der Erde. Ziemlich komisch ist das Gefühl, in diesen Käfig-Lift mitsamt Gepäck gedrängt zu werden. 15 Läufer, 700 Meter frei schwebend über dem Abgrund. Ein Bergmann schreit: „Noch zwei, los, los, wir haben keine Zeit“ „ Helm auf“. Dann wird ein schwerer Ledervorhang vorgezogen, es ruckelt, dann saust die Kabine in die Tiefe, es ist stockdunkel, unheimliche Stille.
Der Aufzug rattert gleichmäßig, die Anspannung löst sich ein wenig. Dieses Jahr hat jemand eine Taschenlampe an die Decke des Lifts montiert, das tut gut. 4 Minten später fliegt der Vorhang auf, da stehen auch schon die Wächter der Tiefe vor uns.
Sie genießen sichtlich unsere ängstlichen, orientierungslosen Dackelblicke, wie wir da aus dem Korb krabbeln. Diesmal gibt es keine rasante Lasterfahrt, wir kommen direkt im Start/Zielbereich an.

© marathon4you.de
Das Start-und Zielgelände ist das infrastruktuelle Zentrum. Hier sind zahlreiche Bierzeltgarnituren aufgestellt, auf denen sich die Läufer breitmachen. „Mephistos Zeche“ ist eine bunt erleuchtete Bar mit Imbiss. Es gibt einen gewaltigen Konzertsaal, Kegelbahn, einen Festsaal, eine Sanitätsstation, Mineralien und Bergbaugegenstände sind ausgestellt. Ein großer Plan bildet den Streckenverlauf ab: der 10,6 km lange Laufkurs ist achtförmig und berührt sich am Bauch, somit gibt es eine Begegnungstrecke.
Countdown, wir legen los. Der Puls schießt augenblicklich in die Höhe, es geht 400 Meter steil aufwärts. Ich mache Fotos ohne Ende. Dann stop. Es gibt einen zweiten Start, denn die 400 Meter sollen nicht mitzählen. Drei, zwei, eins, wieder los.
Der Boden ist eigenartig. Was wie glattes Eis aussieht ist griffiges Salz, wo der feine Salzstaub liegt, kann es glatt sein. Manchmal sind schwarze, gläserne Stellen zu sehen, manchmal rote trübe, je nachdem ob Ton oder Eisen enthalten ist.
Gleich wieder Steigung. Noch laufen wir hier hoch. Bei km 2,5 die erste Verpflegungsstation. Wir schütten uns rein was geht, die Jungs schenken aus wie die Wilden. Dann geht es abwärts, mächtig abwärts, tierisch abwärts. Vorbei am Friedhof. Es ist der Friedhof der Arbeitstiere, es sind die LKW´s und Fräsmaschinen aus DDR-Zeit. Sie werden für immer hier unten in den dunklen Gängen bleiben. Diese riesigen Arbeitstiere wurden einst an der Oberfläche zerlegt und in Einzelteilen nach unten transportiert, um dort wieder zusammengesetzt zu werden. Nun will sie keiner mehr. Gäbe auch keinen Sinn, im Stahl ist Salz, an der Oberfläche würden die Fahrzeuge zerbröseln. Dann wieder aufwärts und tierisch aufwärts. Dann wieder abwärts und tierisch abwärts.
Irgendwo ist die tiefste Stelle erreicht, könnte km 4 sein. Hier ist es stickig-heiß. 29 Grad, es riecht nach mächtigem Karnickelfurz und schwerem Diesel. Augenblicklich ist das Hemd klatschnassgeschwitzt, die Zunge ist trocken und schmeckt nach Öl. Ein unheimlicher Drache schaut um die Ecke, schleudert mir mit Riesengedöns ekelhafte heiße Luft entgegen. Es ist ein häßliches Lüftungsrohr.
Die trockene Luft (30 %) ist genial gegen meine Erkältung. Die Feuchtigkeit wird aus dem Atemwegen rausgesaugt, die Schleimhäute schwellen ab und ich kann frei atmen, wenn es nicht so heiß wäre.
Wieder Steigung, was sonst. Dann ein Dröhnen wie auf dem Flughafen. Ich weiss nicht was hier wummert, die Maschine macht einen stinkenden Höllenlärm. Verpflegungstation bei km 5, hau Dir Wasser rein was geht, denn jetzt wird´s heftig: Endlose Steigung, 23%. Wenn Du denkst, Du bist oben , dann kommt eine Kurve, danach wieder Steigung, dann wieder eine Kurve. Unvorstellbar! Es ist ein Spagat zwischen dem, was Du siehst und dem was Du fühlst, ohne Horizont, nur Kampf. Es ist grausam. Meine Fotografiererei ist wilkommenes Alibi: Ich lass mich hängen, schnappe nach Luft. Zu stark sind die verletzungsbedingten Schmerzen, ich mache Faxen und bringe schlechte Witze.
Bei km 7,5 wieder eine Station. Hier ist der Begegnungsteil. Ab hier ist die Laufstrecke ideal, leicht wellig aber eigentlich gut zu laufen. Eigentlich. Kilometerweit reicht der Blick durch den Tunnel, ja, eigentlich könnte man hier laufen, aber ich sehe meine Rötgenbilder vor diesem glitzernd-dunklen Hintergrund und da vergeht mir eigentlich alles.
Ein riesiges Tor taucht vor mir auf. Es ist ein Wettertor. Es dient zur Regelung der Belüftung. Seitdem in Sondershausen wieder Salz abgebaut wird, könnte es sein, daß eine Metanblase angebohrt wird. Schon eine 5 bis 15 %ige Metankonzentration würde ausreichen, um aus diesem Gang eine Flammenhölle zu machen und mich raketenmäßig über die Ziellinie zu schleudern. Doch bei mir kommt keine Geschwindigkeit auf.
In den kilometerlangen Gängen brennt in regelmäßigen Abständen eine Neonröhre, aber zuviel Salzstaub hängt an ihnen um die Dunkelheit zu verdrängen. Totenstille. Kein Wind, kein Vogelgezwitscher, aber glücklicherweise auch kein Knacken über mir.
Abstützungen gibt es nicht, das Salz bleibt stabil, solange kein Wasser zu ihm gelangt. Ab und zu gibt es aber doch nasse Stellen, manchmal gibt es Pfützen. Aber das ist eine gesättigte Lösung, sie kann kein Salz mehr binden, sie entstand vor 250 Millionen Jahren ist ungefährlich, könnte aber auch Dino-Pipi sein.
Links und rechts der Strecke gibt es weitere gewaltige Abbaustrecken. Teilweise verschlossen, teilweise nur abgesperrt oder mit Schutt blockiert. Hochgiftiger Industriestaub lagert hier, aber auch Bauschutt, Klärschlamm, Holz-oder Keramikabfälle. Im zweiten Weltkrieg wurde hier unten auch Munition hergestellt, wer weiss, was hier in den zahllosen Gängen noch so schlummert. Vielleicht noch Kunstschätze? Die mit Salzgestein vermauerten unterirdischen Kammern können jedenfalls nicht mehr gefunden werden, nur aufwendige Bohrungen könnten Gewissheit schaffen.
Ich lasse mich hängen in diesen Gedankengängen, da schließt Hannes Kranixfeld zu mir auf. Er ist der Zweitplazierten beim Ultralauf-Europacup 2009 und ist schon eine Runde weiter als ich. Ich erkenne ihn aber in meinem Tran nicht und denke es ist nur wieder einer der vielen Österreicher. Auch er hat kein Feuer heute und will die nächste Runde nur noch fotografieren. Das weckt mich auf, sodaß ich die dritte Runde haarscharf am Zeitlimit (2:45) antrete.
Dann übernimmt der Vizeweltrekordler mein Coaching. Seine Laufpartnerin Christine, die ein grandioses Laufjahr hinter sich gebracht hat, muss austeigen, somit hat Christian Kapazität für mich frei. Er labert mich zwar voll, aber ich bekomme endlich Diziplin in meinen Lauf und lege meinen Zombielaufstil ab. Wir beide laufen wunderbar gleichmäßig, rollen das leidende Feld von hinten auf und meistern mit erhobenem Kopf die letzten zwei Runden .
Ich hatte vergessen, wie hart dieser Marathon ist. Nun muss ich nochmals darauf hinweisen: 310 Höhenmeter pro Runde ergeben tierische 1240 Meter auf 42,2 Kilometern. Die Steigungen sind brutal. Die Temperatur liegt bei 22-29 Grad, Du haust dir alle 2,5 Kilometer 2 bis 4 Becher Flüssigkeit rein, doch die trockene Luft reisst Dir jeden Tropfen wieder raus. Du hast kein Gefühl für Zeit und Raum, deine Birne gaukelt Dir Schrott vor. Du hast keine Ablenkung, Dein Schmerz hat viel Zeit für Dich. Du siehst kein Ende und kein Ziel, kannst weder Steigung, Geschwindigkeit noch Entfernungen einschätzen, es ist ne absolut geile Erfahrung und einer der schärfsten Marathons der Welt.
Makelloser Organisator des Untertagemarathons ist der sc-im-puls erfurt e.V, der hier eine einzigartige, unvergeßliche Weltkulturveranstaltung kredenzt! Das haut Dich um!
Ich traf meinen Laufjoe schon kurz bevor es die Grube herrunter ging und lies mich von Joe auch in das Rennen einweisen denn Untertage ist doch etwas anderes als sonst! Im Stollen gab es dann die üblichen Begrüßungen mit gedrücke und was sonst noch so üblich ist! Ins geheim hoffte ich auch auf unsere Birgit Bruder zu treffen! So war es auch ich traf Birgit mit ihrem Trainingspartner Friedrich um den Sie sich sehr rührend kümmerte! Birgit war mal richtig gelöst und hatte sichtlich gute Laune! Bevor mir mein Laufjoe wieder Schmutzfink sagt weil ich ihm eine Läuferin nicht vorgestellt habe, habe ich das gleich bei Birgit gemacht! Es war ein sehr schönes Gespräch was ich mit Birgit führen durfte! Ein wenig kam dann die Versagensangst hervor, denn mein Unterbewußtsein sagte mir das Sie ein wenig Bammel hatte mit mir ein Stück zu laufen und ich ihr dann zuviel abverlangen würde! Ich hatte es es sofort verstanden, und habe mein eigenes Rennen geplant, doch bei Birgit weiß man nie es kommt immer anders als man denkt und so kam es dann auch bei diesem Rennen! Am Start Begrüßte ich noch meine Magdeburger Läufer und dann war es bald schon soweit es ging los!
Die erste Runde war wirklich sehr gewöhnungsbedürftig dann man lief nur ständig hoch und runter mal sehr heiß und dann wieder kühl, da war die Trisweet Hose die ich 1991, als mich mit Anna Masala mal in Biel bei KM 99 ernsthaft verlobt habe geschenkt bekommen habe die richtige Kleidung! Die zweite Runde lief dann doch ein wenig besser und ich konnte so langsam anfangen den Marathon zu genießen! Obwohl es vom Profil doch sehr schwer war! Dann kam die 3 Runde und schau wer kommt da auf einmal auf und wollte sich davon schleichen natürlich unsere Birgit! Doch es ging bald bergauf und da war man wieder bei einander! Und da wurden nun von Birgit und mir ein Trio ganz junger Kerle eingesammelt! Die machten nun unserer ein sehr schönes Kompliment über ihren Po! Sehr gut das es unsere Birgit war und nicht eine Carmen Hildebrandt dann wäre die Sache nicht so Positiv ausgegangen! Birgit war nun nach ihrem Kompliment, Sie sagte ich habe nur Männerfreunde Jungs macht nur ich bin es gewöhnt! So lies ich die 3 Jungs und Birgit eine kleine Weile alleine, denn Birgit sollte schon ihren Spaß haben! Doch nach sehr kurzer Zeit war Sie wieder an meiner Seite! Und man lief dann gut eine halbe Runde die 3. Runde zu ende und unterhielt sich ein wenig über viele Sachen! Ich versuchte ein wenig auf Sie Rücksicht zu nehmen und ihr jeden Druck zu nehmen damit Sie keine Probleme beim laufen bekommt! Es klappte auch recht gut ich konnte nun feststellen das Birgit wie gewohnt Bergab sehr stark ist doch bei den Steigungen wußte ich das ich mich an diesem Tag besser Quälen kann! So hatte ich auch in der 4. Runde ein Auge für Birgit und so kam es zu einen sehr harmonischen zusammenlaufen! Birgit erzählte mir so einiges über Schneewanderungen mit ihrem Michael und was da so anstellen kann und ihre Schwägerin echt sehr interessant und ich hörte ihr sehr gerne zu! Natürlich fragte ich Sie auch zu der Sache die mir aufgefallen war, Versagensängste und wie man Sie in den Griff bekommt doch obwohl Sie mir recht gab konnte mir Sie keinen Weg an die Hand geben wie ich ihr helfen kann! Nun kann ich nur probieren wie man ihr helfen kann! Mit Birgit war es dann auch eine sehr gute Laufgemeinschaft denn in dem man sich gegenseitig anstachelte machte man noch einige Plätze gut! Man konnte wieder mal sehen das man zu zweit deutlich schneller ist wie alleine! Dann kam man dem Ziel immer näher und Birgit wollte wissen wie Sie liegt, doch es gab keine Info, doch ich versuchte ihr ein wenig Sicherheit zu geben in dem ich Ihr sagte gut! Zu dieser Zeit riss dann dann noch den Spruch des Tages: Eine Ultramarathonläuferin tut niemanden weh nur sich selber! Dies kann ich nur bestätigen und so ging es dem Ziel entgegen! Vor dem Ziel sagte ich dann zu Birgit Du kannst es Dir aussuchen ob Du vor mir ins Ziel möchtest oder Hand in Hand, also ging es dann Hand in Hand über den Zielstrich als Gesamt 79. für Birgit und ich dann als 80.! Später hatte dann jeder alle Hände voll zu tun um sich um seien Leute zu kümmern, Birgit war sehr lieb zu ihren 69. Jährigen Trainingspartner Friedrich, großes Kompliment von meiner Seite! Auch scheint ihr die fast 2 Runden im Stollen mit mir zu laufen recht gut getan zu haben denn Sie hat mir wohl eine Karte geschrieben und sich für die Positive Unterstützung bedankt! Ich hoffe wir können ihr helfen Sie wieder zu alten stärke zu führen auf dem richtigen Weg, denn eine sehr starke Birgit ist für uns alle gut! Und so ging wieder ein Laufabenteuer zu Ende!
Marathonsieger
Männer
1 Wahl, Martin WSV Oberhof 03:13:29
2 Hilpert, Jens TUS Massenheim 03:22:06
3 Hauch, Rainer LSV Basel 03:25:37
Frauen
1 Tewes, Geertje ASV Faßberg 04:02:42
2 Reinhard, Graziella Allschwill/ CH 04:08:12
3 Bruder, Birgit LTF Marpingen 04:23:52