Archiv für Dezember 2009

Oh du Fröhlich-hä-hä – Bärenfelslauf 24.12.2009

Sonntag, 27. Dezember 2009

Autor: Joe Kelbel und Stevie Fecher

Hart, aber herzlich

Ganz im Westen, wo man nicht mehr weiss, ob Hunsrück, Pfalz oder Saarland, wo auf der Autobahn (ja, da gibt es eine) alle paar Kilometer ein Willkommensschild für irgendein Bundesland steht – da haben sich recht ursprüngliche Weihnachtbräuche unter Auschluß von ARD und ZDF erhalten.

In diesem, von den Kräften der Natur gesegteten Stück Heimat, haben die endemischen Ureinwohner ein Stück weihnachtliche Kultur am Leben erhalten, die ihresgleichen in ganz Europa sucht.

Es ist ein entbehrungsreiches Land, wo der Opa am 24.12. schon früh morgens die 25 Kilometer nach St Wendel laufen musste, um Unterhosen und wollne Socken zu kaufen. Dann, ist ja logisch, musste unser Opa nachmittags erneut nach St Wendel, weil Oma festgestellt hat, daß Opa die Schallplatte „Weihnachten mit den Fischer-Chören“ vergessen hatte.

Die Oma hatte auch ihre Mühe, die stieg ja mehrfach in den Keller, um Sauerkraut, Kartoffel und selbstgebrannten Schnaps zu holen. Die Eltern dagegen waren auf dem Bärenfelsen, um etwas Proteinhaltiges zu erlegen und die Kinder sammelten das vertrocknete Fallobst von den nassen Wiesen, um etwas für den Nachtisch zu haben. So entstand über die Jahrtausende in der Abgeschiedenheit der schroffen Täler dieser kargen Berglandschaft eine ganz besondere Weihnachtskultur: Die Kultur der Deutschen Weihnachtskenianer!

los geht's...
© marathon4you.de

Kennzeichnend für die Weihnachtskenianer ist der ausgeprägte Läufertrieb um den 24.Dezember. Ja, so ist das, kein Scherz. Und weil die niedrigere Kultur sich immer der höhergestellten anpasst, fahren etwa 80 Kulturinteressierte am 24.12. für den Heiligabendmarathon in diese abgeschiedene Berggegend.

Von den Kleinkulturellen, die 8,5 km oder 800 Meter laufen, reden wir heute nicht. Ich möchte auch nicht, daß der Eindruck entsteht, daß nur Verrückte am 24.12. um 8 Uhr am Start stehen. Nein, da waren auch noch ganz bedauernswerte Menschen: Als wir nämlich neben der Bundesstrasse hoch zum Bärenfels gelaufen sind, da fährt doch so ein frierender Jüngling im offenen Caprio an uns vorbei. Da kamen mir dann doch die Tränen! Da sammeln wir an Weihnachten für die Kinder im warmen Afrika, und diese endemischen Einheimischen hier haben noch nicht einmal ein Dach am Auto!
...auf die Strecke!
© marathon4you.de

Ja, so ist das dort, ganz im Westen, total krass! Die Wege, die wir laufen müssen, sind noch nicht mal geräumt! Ich denke: warum zahlen wir eigentlich den Soli, wenn wir hier durch den Tiefschnee stapfen müssen?! MannMannMann. Ich hatte natürlich noch Sommerbeflaggung und bin kaum hoch auf den Bärenfels. Immer wieder zurückgerutscht und hingebrezelt und weggeknickt. Da musste ich ja dann auch noch 4 mal hoch! Naja, es gab Glühwein. Also verzeihe ich dem Entwicklungsminister.

Kann man Nicole verzeihen? Die hatte es ja eilig, für die Bescherung! Die war dann so schnell, dass sie die Kurve nicht gekriegt hat und voll in den Honigkuchen gebretzelt ist, hahaha. Ich habe die Randale unter Tränen fotografiert. Der Nicole war das natürlich peinlich gewesen, weil natürlich so ein paar Kulturwissende meinten, das sei Taktik gewesen. Ich stand da und habe Tränen gelacht, weil es wie früher war, als wir noch richtig auf die Paucke gehauen hatten. Ja so war mein Weihnachten, damals. Aber das Foto ist echt gelungen!

Naja, das war dann auch so mein Highlight, denn ansonsten habe ich schwer gekämpft, sehr schwer.

Im Prinzip war der ganze Lauf grenzwertig gewesen: hart an der körperlich-kulturellen Machbarkeit, aber deswegen war ich ja hier. Als ich dann im Auto saß („Driving home for Christmas“) war ich pausenlos am Grinsen, hatte mir dann gewünscht, irgend so ein Radargerät müsste mich jetzt blitzen. Denn wir sind ja alle so bekloppt! Und erst recht diese Familie Feller, diese Weihnachts-Kenianer! Es war sooooo schöön! Danke, Leute! Hart aber herzlich!

Auch als Hessischer Marpinger war ich dem Ruf der Fellers gefolgt und mußte im Schneechaos den letzten Marathon 2009 laufen und es sollte nachdem Schneefall ein ganz besonderer werden! Jutta hatte am Verpflegungszelt alles im Griff und schenkte noch so manche Tasse Tee vor dem Lauf aus! Doch bald war es kurz vor 8 Uhr und die gesamte Marathongemeinde hatte sich zum letzten Marathon am Bärenfels eingefunden! Und ab ging es im Schneechaos! Zuerst genoß ich das Feld von ganz weit hinten! Doch dann sagte ich mir es sollte schon der Joe bei mir sein und bald war ich dann auch an meinen Mainzer Renntier Sascha und dem Engelchen Brigitte herran und dann war da auch noch Dieter! Ich genoß das Berg auf Stück, weil man sich da so schön Quälen kann! Manchmal war es schon sehr rutschig und laufen eigentlich reine Glückssache! Sehr gefreut habe ich mich dann auf den ersten Versorgungspunkt wo Silke und Siglinde waren! Es mußte dann jede Runde ein wenig Blödsinn gemacht werden! Gerade bei Siglinde lag ich ein wenig im Salz wegen eines meinen Scherz vor über 10 Jahren , als ich mal in der Hoffnung ihr nie im Leben zu begegnen ein paar Blumen geschenkt habe! Doch Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall! Also brachte ich alle 5 Runden eine Botschaft mit! Natürlich bekam Siglinde auch ihr gewünschtes Lob für ihre 4 Kinder und 5 Enkel und in der letzten Runde war dann die Botschaft das Sie täglich in Milch baden soll und die Schiffers und Klums würdig auf den Laufstegen dieser Welt vertreten sollte! Auch die übliche Blume gab ich dann bei Jutta für Siglinde ab! Und mit der letzten des Rennen mußte ich immer ein wenig Klönnen, denn Sie durfte ich immer besonders aufmunter, in dem ich sagte Sie soll immer an mich denken wäre wie Doping! Doch wenn Sie im Ziel wäre sollte Sie bei der Doping Kontrolle nicht mehr an mich denken, damit Sie dann nicht überführt wird! Die Strecke wurde von Runde zu Runde rutschiger und ich schaute eigentlich nur die Abstände im Verhältnis zu meiner Mainzer Truppe und das sagte mir das es im grünen Bereich ist! Um so länger das Rennen wurde um so mehr Tribut forderte das Rennen und die Gegenseitige Aufmunterung war schon lebens wichtig und half uns den Lauf trotz gerutsche fertig zu bringen! In der letzten Runde hatte ich dann die besondere Ehre auf den Sieger des 1. Mainzer Ultra der Maaraue aufzuschließen! Martin erzählte mir nun das er noch das Rennen vor 4 Tagen merken würde! Also beschlossen wir nun die letzten ca. 3 KM zusammen zu laufen, was wir auch mit einem Zieleinlauf Hand in Hand über die Bühne brachten! Nachdem Lauf ging es dann zur Siegerehrung in ein Kino, doch ich machte mich schon bald auf dem Weg denn genauso wie beim Lauf am Sonntag in Mainz hatte ich wieder Nachtschicht! Und wieder war ein Laufabenteuer zu Ende und auch das letzte für 2009!

Marathonsieger

Männer

1 Hardenack, Frank Neuenkleusheim 03:14:32
2 Koch, Rainer LG Würzburg 03:21:36
3 Leyendecker, Rainer RSLC Holzkirchen 03:28:211

Frauen

1 Benning, Nicole EK Schwaikheim 04:05:22
2 Hochlenert, Angela LT Hemsbach 04:31:38
3 Johann, Annette TV Rheinzabern 04:42:12

Finisher: 69